Rainer und Sabine Nolte vom Grün-Gold TTC Herford haben beim WDSF DanceSport Festival im englischen Blackpool eindrucksvoll auf sich aufmerksam gemacht. Gleich zwei Mal erreichten sie das Finale in den WDSF Weltranglistenturnieren der Senior III Standard. Dazu sammelten sie viele unvergessliche Eindrücke.
Die Reise nach England begann für die beiden allerdings alles andere als gewöhnlich. „Beim Landeanflug in Manchester gerieten wir in ziemliche Turbulenzen“, berichten Rainer und Sabine Nolte. „Zehn Meter über dem Boden schwankte das Flugzeug immer noch sehr bedenklich. Der Pilot startete durch.“ Erst im zweiten Anlauf gelang die Landung, nachdem sich das Wetter etwas beruhigt hatte. Auch die Weiterreise verlief nicht ganz reibungslos: Ein Sturm hatte eine Oberleitung beschädigt, der geplante Zug fiel aus. Doch dank der Unterstützung des Bahnpersonals erreichten Noltes schließlich ihr Ziel.
Bereits am nächsten Tag stand das erste Turnier auf dem Programm, inklusive eines eng getakteten Ablaufs aus Styling, Vorbereitung und Einmarsch in den ehrwürdigen Empress Ballroom. Der beeindruckende Saal, der seit über 130 Jahren als Mekka des Tanzsports gilt, hinterließ bei den beiden einen bleibenden Eindruck. „Es ist einfach großartig, in diesem Saal zu tanzen“, schildern sie ihre Begeisterung. „Der Raum wirkt wie ein Opernhaus und wenn man dann auf die Fläche tritt, geht einem das Herz auf.“
Trotz organisatorischer Herausforderungen bei den Startzeiten lief der Turniertag für die Herforder nahezu perfekt. „Wir hatten in den Monaten zuvor viel trainiert und konnten jetzt alles zusammenfügen“, erklären sie. Mit einer starken Leistung tanzten sie sich im Feld von 26 Paaren bis ins Finale vor. „Platz fünf bei so starker Konkurrenz ist ein super Ergebnis für uns.“
Nach einem langen Turniertag mit rund zwölf Stunden Wettkampfbetrieb kehrten Noltes müde, aber glücklich in ihre Unterkunft zurück. Der folgende Tag stand ganz im Zeichen der Erholung, allerdings auf typisch britische Art. Beim Social Dance im berühmten Tower Ballroom erlebten sie eine besondere Atmosphäre. „Dieses herzliche Miteinander ist einzigartig. Vom ambitionierten Tänzer bis zu sehr alten Menschen, alle genießen gemeinsam die Musik“, berichten sie.
Frisch motiviert und mit neuen Eindrücken sowie einer Videoanalyse ihrer Finalrunde starteten Rainer und Sabine Nolte zwei Tage später in ihr zweites Turnier. Der Tagesbeginn hatte es in sich: „Aufstehen um 4:30 Uhr, erste Runde um 9 Uhr. Wir veranstalten voll aufgestylt eine Abendgala am Morgen“, sagen sie schmunzelnd. Doch die ungewöhnliche Uhrzeit tat ihrer Leistung keinen Abbruch – im Gegenteil. „Unser Tanzen lief sogar noch etwas besser als zuvor.“
An diesem Tag waren sogar 38 Paare am Start, darunter auch der amtierende Vizeweltmeister aus Italien. Auch dieses Mal qualifizierten sich die beiden für das Finale und bestätigten mit einem weiteren fünften Platz ihre starke Form. „Wir mussten aufpassen, dass wir nicht anfangen zu schweben“, beschreiben sie ihre Freude nach der Siegerehrung.
Neben den eigenen Erfolgen nutzten Noltes die Gelegenheit, Weltklasse-Tanzsport hautnah zu erleben. Besonders beeindruckt zeigten sie sich vom Grand Slam Standard: „Es ist faszinierend, wie sechs Paare eine so große Fläche vollständig ausfüllen können. Für die jüngeren Leute muss es eine andere Physik geben.“
Die Rückreise nach Deutschland hielt schließlich noch eine kuriose Begegnung bereit: „Offenbar teilten wir das Flugzeug mit Campino von den Toten Hosen“, erzählen sie augenzwinkernd.
Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt dem erfolgreichen Tanzpaar jedoch nicht. Bereits wenige Tage nach ihrer Rückkehr steht mit der WDSF-Europameisterschaft in Spanien das nächste große Turnier auf dem Programm. Nach den starken Leistungen von Blackpool dürften Rainer und Sabine Nolte auch dort mit Selbstvertrauen auf die Fläche gehen.